Donauprojekt

 

 

„Eine literarische Reise entlang der Donau“

 

Projekt: Die Realisierung eines Kunstprojektes zur Donau.

Eine literarische Reise entlang der Donau von Donaueschingen über Ulm, Regensburg, Passau, Linz, Wien, Bratislava, Budapest, Vukovar, Novi Sad, bis nach Drobeta-Turnu Severin am Eisernen Tor".

 

 
 

Ich habe ein Kunstprojekt realisiert, das die Donau und die größeren Anrainerstädte entlang der Donau in den Mittelpunkt stellt.

Als Ulmer Bürger, bildender Künstler und Literat ist mir die Bedeutung eines so stadtbeherrschenden Flusses wie der Donau nahezu täglich im Bewusstsein. Meine zurückliegenden Reisen in die Tschechei, die Slowakei, Polen, Ungarn, Kroatien und Rumänien zeugen von der großen Anziehungskraft die diese Länder auf mich ausüben.

Dass meine Großeltern aus Breslau stammen, mag auch seinen Anteil an dieser Affinität haben. Sicher ist auch, dass die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus, insbesondere der Tatsache der Existenz der Konzentrationslager, die in großer Anzahl im Osten lagen, bei mir eine menschliche Solidarität zu den im Osten lebenden Europäern entstehen ließ.

Mein besonderes Interesse gilt ganz aktuell der Donaustrategie der EU, in der der Donauraum als eigenständiger Kultur- und Wirtschaftsraum ausgewiesen werden soll.

Es lag somit für mich auf der Hand, ein künstlerisches Projekt mit der Donau im Mittelpunkt zu realisieren, als dem verbindenden Element innerhalb einer geografischen West-Ost-Achse Europas.

 

Projektbeschreibung

Das Gesamtprojekt gliedert sich in sechs Teile:

1. Die 2080 Kilometer lange Reise mit dem Fahrrad entlang der Donau von Donaueschingen bis nach Drobeta-Turnu Severin in Rumänien. Auf dieser Reise entstanden mehr als 80 Texte und über 700 Fotografien. Dieser erste Teil ist seit 2011 abgeschlossen.

2. Eine erste Präsentation der Ergebnisse und Erfahrungen auf dem Donaufest in Ulm und Neu-Ulm im August 2012. In dem eignes dafür präparierten Bauwagen konnten sich die Besucher des Donau- festes einen ersten Eindruck zu diesem geplanten Kunstprojekt verschaffen.

3. Das Foto- und Reisebuch als das Herzstück des Projektes. Das Buch ist im Mai 2014 im Verlag Klemm und Oelschläger erschienen. Der Titel lautet: Eine literarische Reise entlang der Donau. Es ist ein repräsentativer, 4-farbiger Hardcover Bildband mit 172 Seiten im Format 26 x23 cm und kostet 24,80 Euro.

Über 50 Gedichte und 20 Prosatexte wechseln sich mit teils großformatigen Fotografien ab. Zehnteilige Panoramafotografien und Überblendungen verleihen dem Bildband einen reizvollen künstlerischen Ansatz. Michael Krüger, ehemals Leiter des Hanser Verlags, und die beiden Oberbürgermeister der Städte Ulm und Neu-Ulm sowie Peter Langer, Direktor der Europäischen Donau-Akademie, begleiten durch ihre Beiträge dieses Buch.

Dieses sehr gelungene literarische Werk können Sie im Buchhandel unter ISBN 978-3-86281-012-3 oder auch direkt über mich beziehen. Ich werde dann den Bildband für Sie persönlich signieren.

4. Der literarische Bildband wurde am 5. Juni 2014 im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm vorgestellt. Nahezu 90 Gäste haben diese Buchvorstellung miterlebt, die ich szenisch im Zusam- menhang mit einer Diashow unterstützte.

5. Es sind weitere Lesungen geplant. Die Termine können Sie hier auf meiner Webseite unter "Aktuelles" erfahren.

 

6. Wechselausstellungen mit Textobjekten können Sie hier auf meiner Webseite unter "Aktuelles" erfahren.

"Wasser", Acrylglas, Lackstift, 100x60 cm, 2014

 

 

Und hier für Sie - exclusiv mehrere kleine Textkostproben:

 

Großes Orchester

Kaum hörbar ein listiges Gurgeln unterhalb des spärlichen Zulaufs eines unbekannten Rinnsals.

Ich lausche einem leisen Gurren wie von Tauben und vermute, dass darunter kleine Strudel sind.

Ein Plätschern in Zeitlupe, Fliegenfischer am seichten Ufer, nur tote Äste spielen Micado.

Ein helles Knistern wie beim Auspacken von Konfekt zwischen den Kieseln am flachen Ufer.

Spiel mir das Lied vom Wasser, denke ich und versuche noch genauer hinzuhören.

Das stumpfe Klatschen an einer steilen Bootswand beruhigt wieder meine Sinne.

Tonlos still ruht hier das Wasser in tiefem blauem Frieden am grün bewachsenen Ufer.

Ein unruhiges Raunen und Brummen liegt in der Luft, schon früh kündigt sich das Wehr an.

Mächtiges Rauschen dort, wo das Wasser über den Scheitel der Betonwand bricht.

Ein großes Orchester, ich hoffe alle Töne bleiben mir im Ohr, im Kopf, im Herzen.

 

 

Nichts ist mehr, wie es war         

Eine leere Weißbierflasche verfängt sich in einem Schwarzwaldhut, kommt ins Trudeln und schlägt gegen eine Balkonbrüstung.

Ein vergilbter Innenstadtplan windet sich um eine Laterne, reißt sich los, bläht sich auf und bleibt in einer zerzausten Baumkrone hängen.

Ranzige Buttercreme tropft durch den Biskuitboden einer Esterházy-Torte und bildet Fettaugen auf   der schlammbraunen Wasserkrone.

Kurzbeinige rot-weiße Straßensperren, schon lange unter Wasser, sperren Straßen, die es nicht    mehr gibt, für Autos, die nie mehr fahren werden.

Eine Portion Germknödel hat längst Puderzucker und Mohn verloren, schwimmt einsam durch die Gassen, saugt sich voll und sinkt wie Steine.

Ein fest vertautes Schlauchboot mit Außenbordmotor tänzelt vergnügt an einem Ladenschild aus Messing >Drexlerschuhe – immer gut zu ihrem Fuß<.

Ein bunter Regenschirm, zerzaust, mit gebrochenen Rippen, stochert in einer schwimmenden Holzkiste mit leeren Slibowitz- und Wodkaflaschen.

Parkende Fahrzeuge stoßen im Rhythmus der ankommenden Wellen wie Billardkugeln vor und    zurück, ohne aus der Reihe zu tanzen.

Ein bedruckter Karton >Agnes Bernauer Torte< wellenreitet gelassen in provozierende Langsamkeit über die deutsch-österreichische Grenze.

Nackte Sauerkrautreste bewegen sich wie mit Tentakeln in Zeitlupe auf der Wasseroberfläche und krallen sich fest an einer überdehnten Wäscheleine.

Flatternde Wäsche an Wäscheleinen, stolz wie die Segel einer Karavelle, wird von einem knatternden Motorboot voller Sandsäcke fortgerissen.

Menschen im zweiten Stock rufen sich aufmunternd zu und die wiederbelebte Nachbarschaftsliebe beklagt, dass nur Hunde schwimmen können, Katzen leider nicht.

Nichts ist mehr dort, wo es vorher war, doch wir haben uns damit abgefunden, dass wir uns damit abfinden müssen.

Und danach: Alle Spuren unserer Versäumnisse sind schnell beseitigt. Vielleicht noch ein paar gute Vorsätze hinterher?

Spätestens nach dem ersten Wenn folgt das Aber und wir gehen unserem üblichen Tagwerk wieder nach. Ach ja, wir hatten Hochwasser – alle paar Jahre wieder.

 

 

 

Bewegung festmachen

Meilenweit tagelang

Bewegung festmachen

Ein Davor gibt’s nicht mehr

Gelassen losgelassen

 

Bezweifelter Zweifel

Einsame Entscheidung

Vertrauen zu sich selbst

Genuss steht im Vordergrund

 

Still ist es geworden

Bleierne Müdigkeit

Kein Krümel Skepsis mehr

Alles längst gegessen

 

Lichtjahre sind es her

Die Erinnerungen

Und am Horizont

Die nächste Bewegung

 

 

 

Danach

Leises Murmeln auslaufender Wellen

Graues Treibgut macht sich am Ufer breit

Ein letzter verschämter Rülpser schon weit weg

 

Langsam taucht Ufer auf aus fremdem Land

Gereinigte Luft – Äther zum Atmen

erinnert mich ans Weiterdenken

 

Frisches Blau am Himmel gut für’s Auge

Erste mutige Boote durchschneiden

den wieder friedlichen Wasserlauf

 

Den Flugapparat wieder eingestellt

Die letzten Wassertropfen abgeperlt

am glänzend fetten Zaungästegefieder

 

Auf der Holzbank hochgelegte Beine

suchen ausgekühlt die Vertikale

erinnern mich ans Weiterfahren

 

 

 

Aus welchem Land kommst du?                    

Glaube nicht, was die Väter erzählen.

Alpenland und überpflegte Gärten, jedes Land kennt seine Widersprüche.

Doch deutscher als deutsch darf keiner sein.

Aus welchem Land kommst du?

 

Die alten Urteile und Vorurteile.

Durch die Jahrhunderte hindurch und den Mut zu irren fast verloren.

Doch Achtung darf keine Warnung sein.

Aus welchem Land kommst du?

 

Die Natur weiß von unseren Grenzen nichts.

Begehrlichkeit kennt nur der Mensch, Versöhnung ist das Tagesziel.

Ein Schritt zurück darf kein Fremdwort sein.

Aus welchem Land kommst du?

 

 

 

Der Impuls

Am Anfang war die Sehnsucht. Die Sehnsucht, für eine gewisse Zeit unerreichbar zu sein.

Den anderen einfach ein Schnippchen schlagen, unterwegs sein, nicht greifbar, einfach nicht zu nicht zu stellen. Kein Telefon, das mich schon am Frühstückstisch aufschreckt und ermahnt, endlich den Arbeitsalltag aufzunehmen. Kein Postbote, der zielsicher meinen Briefkastendeckel nach unten schnellen lässt, um auf die heute besonders wichtige Post aufmerksam zu machen, und auch keine Inflation von E-Mails, die wie Peitschenhiebe über den Bildschirm zucken.

Das war Motivation genug, um solch ein Vorhaben zu planen und durchzuführen. Unterwegs sein, ein Ziel vor Augen, mit einer geplanten und wohl überlegten Route im Gepäck. Die tyrannischen Tages- zeiten und lästigen alltäglichen Termine ausgesperrt, denn einen geregelten Tagesrhythmus würde es während dieser Reise nicht mehr geben. Stattdessen aufstehen, wenn der Schlaf sich verabschiedet, Nahrung zuführen, wenn sich eine Gelegenheit bietet, Ruhepausen, nur wenn der Körper sie fordert, und reden, nur wenn es etwas wirklich Wichtiges zu reden gibt.

...Und so wie es die Sehnsucht nach dem Meer, vielleicht auch die unlöschbare Sehnsucht nach den Sternen gibt, hat auch die Sehnsucht, einfach alles und vielleicht auch sich selbst hinter sich zu lassen, ihre Berechtigung, gestillt zu werden.

Aus diesem drängenden Impuls heraus entschied ich mich in den Jahren 2010 und 2011 die Donau von ihrem Ursprung bis ans Eiserne Tor in Rumänien mit dem Fahrrad zu begleiten.

Copyright Dietmar H. Herzog, Ulm, Juni 2014

 

 

 

Und hier zum Ausklang für Sie noch einige wenige Fotobeispiele aus dem Bildband:

 

 

 

 

 

 

 

Und zum Schluss das Wichtigste!

Ich arbeite im Moment an einem zweiten Buch in dem die größten 26 Zuflüsse der "deutschen" Donau im Mittelpunkt stehen. Der Titel des Buches wird lauten: Die Donau und ihre Kinder.

Seien Sie gespannt.

Im Frühjar 2020 erfahren sie mehr.

 

 

 

 

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