Prosa

 

                                       Königin Donau und ihre Kinder – Eine Erzählung -

                                      nexx-Verlag, 196 Seiten, Softcover, 2020, 17,80 Euro

 

                                            

Aus dem Klappentext:

Endlich wird die Donau einmal als Königin angesprochen! Nur weil unsere naive Vorstellung von Königtum etwas Statisches hat,

ist der Fluss nie als Majestät angesprochen worden. Gewiss, es gab Flussgötter, die den Lauf des Wassers begleitet haben,

aber eine Königin fehlte, die über den vielen Königen steht, die am Wasser ihre Residenzen gebaut haben. Folgen wir also den fluiden Gesetzen der Königin Donau durch ihr bewegliches Reich.

(Klappentext von Michael Krüger, Präsident Bayrische Akademie der Schönen Künste)

 

Die großen Ströme unserer Zeit haben ihre eigene Geschichte. Meist ist sie sehr lebendig und fröhlich, doch oft tritt sie auch düster und bedrohlich auf. In allen diesen Geschichten, seien es Sagen oder Märchen, spielt das Lokalkolorit eine wesentliche Rolle. So erfahren die Flüsse durch die Einbeziehung der Eigenheiten von Menschen und Tieren und die Besonderheiten der Natur eine individuelle Färbung. Die Erzählung um die Königin Donau und ihre Kinder ist im süddeutschen Raum zwischen dem Schwarz- wald und Passau verortet. Sie orientiert sich an vielen geografischen und geologischen, aber auch an technischen und ökologischen Gegebenheiten und ist aus der Liebe zur Natur und der Sehnsucht eine eigene Geschichte zu haben, entstanden.

Zwölf Illustrationen begleiten den Text.

                                           

Nun noch eine kleine Textprobe:

… Der Regen trat zunächst ganz bescheiden auf und steckte wortlos der Donau seine Hände zum Gruße hin. Als er sie öffnete, ging ein lautes Raunen durch die Runde.

„Gold!“, riefen alle. „Gold, woher hat er das?“, tuschelten die Umstehenden. Kaum einer wusste, dass im Oberlauf der Regen, bei Cham, vor vielen hundert Jahren schon die Menschen Gold gefunden hatten. Doch es war so wenig und so aufwändig zu schürfen, dass sie die Metallgewinnung bald wieder eingestellt hatten. Der Regen als ein über Hundert Kilometer langer Fluss hatte da ganz andere Möglichkeiten. Er spülte, reinigte, sortierte und transportierte Gestein aller Art in seiner Flusssohle. Da blieb es nicht aus, dass ab und zu auch winzige Goldfäden hängen blieben. Diese feinen Fäden hatte er über viele Jahrhunderte gesammelt und zu einer drei Zentimeter dicken Kugel aus purem Gold verklumpt. Dieses großartige Geschenk übereichte er der Donau als Beweis seiner großen Zuneigung zu ihr.

Alle Anwesenden waren wie berauscht. Die Sonne war fast untergegangen. Ihre letzten Strahlen umhüllten die goldene Kugel mit einem Strahlenglanz, ähnlich der kreisförmigen Umlaufbahn des Saturns. Eine gewaltige Kraft ging von diesem flirrenden, glimmenden Lichtkranz aus, der die Oberfläche der Goldkugel zum Glühen zu bringen schien. Winzige Lichtblitze irrten in wahnwitziger Geschwindigkeit um die Kugel und schlugen pausenlos hell gleißend in sie ein, bevor sie zu versprühen schienen. In diesem Glanze sonnte sich die ergriffene Gruppe. Dazu spiegelte sich die Sonne orangerot in der Donau und blutrot färbten sich die Fensterscheiben der am Ufer stehenden Häuser von Regensburg…

...Die verbliebenen Flüsse kamen am folgenden Tag in Dollnstein an. Einige der jüngeren Mitreisenden waren so ermüdet, dass sie den kürzesten Weg durch das Wellheimer-Trockental zurück zur Donau wählten. Die Donau und die Altmühl wollten noch nicht getrennte Wege gehen und vereinbarten, gemeinsam bis zum herrlich gelegenen Altmühlsee zu fließen. Dort legten sie eine längere Rast ein, war der See doch eine gute Gelegenheit nach dem eng mäandernden Altmühltal, sich ganz entspannt in die Breite zu verlieren.

Das Wetter lud zum Faulenzen ein und entspannt schwappte die Donau in der sandigen Flachwasserzone hin und her. Sie beobachtete verträumt die ausgelassenen Wasserspiele der Altmühl und einiger anderer örtlicher kleiner Bäche und Seen. Am Südrand des großen Altmühlsees, nahe der Hirteninsel, spielten einige selbstverliebte Nixen vergnügt miteinander. Leicht und schwebend, oft zierlich klein und zart wie Spinnenetze alberten sie ausgelassen am Seeufer. Unermüdlich schupsten sie sich von den in den See hängenden dünnen Weidenästen ins ruhige Wasser. Für den Menschen waren sie nicht sichtbar und auch nicht hörbar, was sie zu immer kühneren Taten anspornte. Manche von den jungen Nixen waren mitunter so frech, dass sie sich den am See ruhenden Menschen näherten und sie an den Füßen kitzelten. Die ganz Frechen aber wagten sich sogar in die Nasenlöcher der Schlafenden, um dort ihr Unwesen zu treiben. Durch das so provozierte Niesen wurden die jungen Plagegeister immer wieder aufs Neue ins grelle Sonnenlicht hinauskatapultiert, was ihnen einen Heidenspaß machte…

 

 

 

 

 

 

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